Proske unterhält sich

Mobilität für alle Generationen

Bürgermeister Ulrich Proske unterhält sich mit seinen Gästen: dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Thomas John, und Matthias Schöppig, Vertreter der jungen Generation (und Fahranfänger). Die Diskussion zeigte: Mobilität in Ebersberg ist komplex, aber gestaltbar. Das integrierte Mobilitätskonzept liefert dafür eine Grundlage – entscheidend wird sein, wie konsequent und generationengerecht es umgesetzt wird.

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Das Mobilitätskonzept

Ziel der Veranstaltung „Proske unterhält sich“ war, die zentralen Bausteine des integrierten Mobilitätskonzepts (IMK) vorzustellen und gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern über konkrete Verbesserungen der Verkehrssituation in Ebersberg zu diskutieren. Die Veranstaltung machte deutlich: Mobilität betrifft alle Generationen – und verlangt nach ausgewogenen Lösungen.

Das IMK analysiert unter anderem die Erreichbarkeit wichtiger Ziele im Stadtgebiet: Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Arztpraxen oder Spielplätze.

Barrieren im öffentlichen Verkehr

Ein Schwerpunkt der Diskussion betraf die Bedürfnisse älterer Menschen. Thomas John schilderte die größten Hürden für Senior*innen: Gefährliche Straßenquerungen, etwa zwischen Optiker und Einkaufszentrum oder am Landratsamt, wo Zebrastreifen dringend nötig wären. Auch die Geschwindigkeit des Autoverkehrs sei ein großes Problem. „Senioren auf dem Fahrrad sind die Helden des Alltags“, sagte John – sichere Radwege, etwa Richtung Aldi, fehlten. Wer im Alter kein Auto mehr habe, sei oft abgeschnitten und auf Nachbarn oder Angebote wie das „Schwungrad“ angewiesen. Die Gefahr von Einsamkeit sei damit real.

Proske kündigte an, dass ab Februar 2026 für die Dauer einer Baustelle ein provisorischer gelber Zebrastreifen in der Heinrich-Vogel-Straße eingerichtet werde – zunächst für zwei Jahre.

Matthias Schöpping hat erst kürzlich den Führerschein gemacht. Für ihn ist es wichtig, mit seinem Auto mobil zu sein, vor allem, weil er bei den Feuerwehreinsätzen, mit dem Auto schnell vor Ort ist.

Kurzstreckentarif für den Bus

Auch der öffentliche Nahverkehr kam zur Sprache. Kritisiert wurde unter anderem der fehlende Kurzstreckentarif beim Bus 448 Richtung Waldsportpark. Die Buslinie 448 bringt viele Vorteile für Ebersberg und die umliegenden Dörfer. Auch wenn die Kosten sehr hoch sind. Ein Rufbus könnte eine kostengünstigere Variante sein, merkte Jürgen Friedrichs an. Solche flexiblen Angebote hätten Vorteile für Stadt und Geschäfte, da Verkehrsströme besser erfasst werden könnten. John verwies auf ein Ruftaxi-Modell nahe Erlangen, bei dem der Busfahrer ein Taxi organisiert.

Auf die Frage, ob der Buss 448 von Senioren angenommen werde, antwortete Thomas John, der Bus sei noch zu wenig bekannt.

Kostenvergleich: Die Buslinie kostet ca. 350.000 EUR/Jahr. Der Rufbus kostet ca. 100.000 EUR/Jahr.

Toiletten am Bahnhof

Großen Diskussionsbedarf gab es am Bahnhof: fehlende Barrierefreiheit, keine nutzbare Toilette und schwierige Anfahrt mit dem Rad. Eine im Untergeschoss vorhandene Toilette ist seit Jahren geschlossen. Proske brachte als Alternative eine öffentliche Toilette im Klosterbauhof unter der Brücke ins Spiel – auch für Bus- und S-Bahn-Fahrer.

Verkehrsberuhigung

Weitere Themen waren Tempo 30, Fahrradschutzstreifen, problematische Baustellen – etwa vor der Kreisklinik – sowie konkrete Gefahrenstellen im Stadtgebiet. Im IMK vorgeschlagene Fahrradstraßen und Verkehrsberuhigungen, etwa durch Kübel oder wechselnde Parkplätze, stießen bei den Besucher*innen auf Zustimmung. In der Wildermuthstraße wird sogar ein versenkbarer Poller als sogenannter Modalfilter diskutiert, um Durchgangsverkehr zu verhindern.

Wortmeldungen aus dem Publikum

Jürgen Friedrichs (GRÜNE): Beklagt, dass der Bus Richtung Waldsportpark ist recht teuer ist, er wünscht sich einen Kurztarif.

Ralph Neuberth (SPD): betonte grundsätzlich die Notwendigkeit der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer: Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer. Als Beispiel für eine konsequente Entschleunigung des Autoverkehrs kann nach seiner Ansicht die Rosenheimer Straße dienen, wo durch Parkbuchten und Rechts-vor-Links-Regelungen einiges verbessert werden konnte. Antwort von Brigitte Proske: Die Straße zum Kapser Berg ist auch deshalb weniger befahren, weil aktuell die Verbindung nach Grafing Bhf über Wiesham gesperrt ist.

Jürgen Friedrichs (GRÜNE): Von seinen fünf Kindern hat nur ein Kind einen Führerschein. Er weist auf die Dringlicjhkeit hin, die Situation für Radfahrer zu verbessern. Radfahrer sind von überholenden PKWs gefährdeter als von LKWs.

Max Zeller (SPD): Wenn es Tempo 30 gibt, dann muss es auch Blitzer geben. Antwort von Uli Proske: Blitzer sind teuer, ca. 100.000 EUR und der Verkehr wird deshalb nicht langsamer und sicherer.

Gerd Otter (Pro Ebersberg): Es gibt an die 16.000 KFZ-Bewegungen auf Ebersbergs Straßen. Bei einem Neubau müsste ab 14.000 KFZ-Bewegungen eine 4-spurige Straße gebaut werden.

Nachtrag von Maria Weininger (SPD) zu den Kosten für den Bus: Mit dem Linienbus fahren mehr Menschen, während mit dem Rufbus in der Regel nur eine Person fährt. Daher ist ein Kostenvergleich zwischen beiden Angebot nicht sinnvoll.

Nachtrag von Maria Weininger (SPD) zum Kurztarif: Für Kinder und Jugendliche ohne Schüler-Fahrberechtigung könnte im innerörtlichen Busverkehr eine kostenfreie Fahrt innerhalb der Stadt angedacht werden.

Visionen

Zum Blick in die Zukunft gehörten in der Diskussionsrunde auch Visionen: autonom fahrende Taxis oder Kleinbusse könnten langfristig eine Rolle spielen, da sie ohne Personalkosten auskommen.

Claudia Lichte