Proske unterhält sich

Zukunft für Ebersbergs Einzelhandel

Ebersberger Händler diskutieren über die Zukunft des lokalen Einkaufens
Bei einer Gesprächsrunde am 23. Februar 2026 trafen sich vier Ebersberger Gewerbetreibende – Björn Hartung (Buchhandlung), Rami Mashko (Bistro Arte), Daniela Ehrl (Genussplatzl) und Petra Behounek (Drachenstube) – um gemeinsam mit Gästen aus Politik, Gewerbe und Bürgerschaft über die Zukunft von Einzelhandel und Gastronomie in der Kreisstadt zu sprechen. Ausgangspunkt waren die Erfahrungen während und nach der Corona-Pandemie und die Frage, wie lokales Einkaufen gestärkt werden kann.

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Aufenthaltsqualität versus Parkplätze

Einigkeit herrschte darüber, dass ein belebter Marienplatz auch mehr Kundschaft in die Geschäfte bringt. Besonders der Wochenmarkt zeigt dies: Mittwochs seien die Umsätze deutlich höher. Viele forderten daher Aktionen und Veranstaltungen, um mehr Menschen in die Innenstadt zu ziehen.

Zentraler Diskussionspunkt blieb die Rolle der Parkplätze. Während Betreiber der früheren Druckertankstelle Parkmöglichkeit in Geschäftsnähe für wichtig halten, sehen andere darin eher Nachteile. Jürgen Friedrichs verwies auf Studien, wonach Aufenthaltsqualität für den Einkauf entscheidender sei als Parkmöglichkeiten. Petra aus der Drachenstube bestätigte das: In Zeiten, in denen die Eberhardstraße wegen Baustelle gesperrt war, sei das Einkaufserlebnis entspannter gewesen. Zudem berge der Autoverkehr Risiken für Kinder, die zu ihrem Geschäft kommen. Sie plädierten für mehr Grün, Schatten, Sitzgelegenheiten und weniger Autos.

Björn Hartung wünscht sich einen Baum und eine Bank vor seinem Buchgeschäft. Auch Dani vom Genussplatzl betonte, dass für sie Aufenthaltsqualität wichtiger sei als Parkplätze.

Herausforderungen im Alltag des Einzelhandels

Die Unternehmer berichteten auch über ihre persönlichen Erfahrungen:

Björn Hartung schilderte organisatorische Belastungen wie kurzfristige Beitragsforderungen und den schwierigen Bezug ausländischer Bücher.

Rami vom Bistro Arte betonte seinen Wunsch, eine Dorfbar für Ebersberg zu sein und eng mit Vereinen zusammenzuarbeiten. Sein Angebot von Mittagstisch sei trotz intensiver Bewerbung wenig angenommen werden. Während der Baustellenzeit seien jedoch die Außentische sehr beliebt gewesen – ein „Schanigarten“ würde seinem Lokal guttun, sei aber vom Landratsamt eingeschränkt worden.

Dani Ehrl beobachtete eine Veränderung im Kaufverhalten: Während Corona sei Regionalität sehr gefragt gewesen, inzwischen rücke sie wieder in den Hintergrund.

Was braucht der Marienplatz – und was nicht?

Die Vorschläge:

  • weniger Parkplätze, mehr Aufenthaltsräume
  • stärkere Einbindung von Kindern und Familien
  • kulturelle Formate wie Veranstaltungen und Lesungen
  • bessere Beleuchtung und eine optimierte Radwegeführung

Gleichzeitig zeigte sich, dass Entscheidungen rund um die Platzgestaltung emotional diskutiert werden. Die frühere Parklette vor dem Buchgeschäft sorgte für heftige Reaktionen in sozialen Medien. Roberta Weininger aus der Diskussionsrunde mahnte an, sich nicht von Online-Hasskommentaren leiten zu lassen und stattdessen auf persönlichen Austausch zu setzen.

Strukturelle Probleme und hohe Immobilienpreise

Friedrichs wies darauf hin, dass die Geschäftsräume am Marienplatz oft zu klein seien. Moderne Händler bräuchten mehr Lagerfläche, was die Ansiedlung neuer Geschäfte erschwere. Hohe Mieten und Immobilienpreise verschärfen die Situation – wie die Betreiber der früheren Druckertankstelle berichteten, die acht Monate erfolglos einen Nachfolger suchten.

Es wurde die Frage gestellt, welche Art von Gewerbe dem Platz guttut. Versicherungen und Kanzleien beleben aus Sicht der Teilnehmer den Marktplatz weniger. Gleichzeitig erinnerte Bürgermeister Uli Proske daran, dass die Stadt keinen Einfluss auf private Vermietungsentscheidungen hat.

Gemeinsames Ziel: ein lebendiger Ebersberger Marktplatz

Am Ende blieb ein gemeinsamer Wunsch im Raum: mehr Bewusstsein für lokale Geschäfte, mehr Begegnungsorte und ein Marienplatz, der Menschen gerne verweilen lässt. Händler wie Björn, Rami, Dani und Petra setzen auf Gemeinschaft, persönliche Beziehungen und Authentizität – Werte, die auch 2026 die Basis eines lebendigen Ebersberger Stadtzentrums bilden sollen.

Claudia Lichte

Claudia Lichte