Uli Proske- Bürgermeisterkandidat

Nachgefragt von Maria Weininger

Bürgermeisterkandidat Uli Proske vor dem eEinz

„Nehmen wir mal an, der neue Bürgermeister bleibt 18 Jahre im Amt. Vermutlich wird der als Bürgermeister nicht mehr den Spatenstich einer Umfahrung oder einer Tunnellösung erleben … Wir brauchen jetzt eine Lösung.“

M. Weininger: Uli, Du bist Bürgermeisterkandidat der SPD und willst ab Mai 2020 die Stadt ins kommende Jahrzehnt führen. Was sind Ebersbergs Zukunftsthemen?

U. Proske: Wir müssen in Ebersberg die Energiewende hinbekommen. Und da wir alle wollen, dass der Straßenverkehr weniger und sicherer wird, müssen wir Lösungen für den Durchgangsverkehr wie auch für den Personennahverkehr finden.

Die Energiewende haben wir selbst im Griff. Mit den Verkehrsproblemen ist es schwieriger. Jede Stadt braucht attraktive Transportmöglichkeiten, wir müssen aber auch überregional denken und dort Handlungen einfordern. Ein Beispiel: Seitdem es die Weiterführung der A94 gibt, haben wir gefühlt um die Hälfte weniger LKW-Verkehr. Veränderungen in der Region haben also Auswirkungen auf Ebersberg, davon brauchen wir mehr.

Weitere Themen sind altersgerechtes und bezahlbares Wohnen, leistungsfähiges Gewerbe, der Breitbandausbau. Zum letzten Punkt höre ich immer wieder: „Wir könnten Homeoffice machen – geht aber nicht, weil das Internet zu langsam ist.“ Vor allem die jungen Menschen in den umliegenden Dörfern und Weilern wollen besser vom Land in die Stadt kommen. Damit sind wir wieder beim Personennahverkehr. Ein Bus darf dann natürlich nicht nur zweimal am Tag fahren, sondern attraktiv oft.

 

M. Weininger: Man merkt schon, es geht vor allem um den Verkehr.

U. Proske: Nehmen wir mal an, der neue Bürgermeister bleibt 18 Jahre im Amt. Vermutlich wird der als Bürgermeister nicht mehr den Spatenstich einer Umfahrung oder einer Tunnellösung erleben, selbst wenn wir die Planung jetzt gehörig vorantreiben. Wir brauchen jetzt ein Lösung. Zu der zählt ein innerstädtisches Radwegenetz, ein leistungsstarker öffentlicher Nahverkehr als Ringlösung, als Anbindung aus den Dörfern in die Stadt, als bessere Verbindung zu den Gemeinden nördlich des Ebersberger Forstes und von der S-Bahn zu den Gewerbegebieten am Rand von Ebersberg.

Lauter kleine Bausteine. Dafür braucht man Ideen. Man muss in die Tiefe gehen. Man muss Planer einschalten, mit den Unternehmen reden. Das ist erst einmal ein Zuschussgeschäft für die Stadt. Aber das gehört zu den kommunalen Aufgaben, wie das Schwimmbad, die Wasserversorgung, das Waldmuseum oder andere Leistungen.

 

M. Weininger: Das muss man wohl auch mit Blick auf die Energiewende so sehen?

U. Proske: Richtig. Das Thema ist sogar noch umfangreicher. Wir haben ein Klimaschutzkonzept, das ich zuverlässig bis 2030 verwirklichen will. Die Energiewende ist unser Beitrag zur Einhaltung des internationalen Klima-Abkommens von Paris. Es muss Schluss sein mit der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – das gelingt uns mit unseren natürlichen Energieversorgern Sonne, Wind, Wasserstoff, Biomasse, Erdwärme. Auf dem Weg zur Klimaneutralität gehen wir die einfachen Schritte zuerst, also: Photovoltaik auf städtische Dächer, Windmessmasten bauen, die optimalen Flächen für Windkraft sichern und entsprechende Bebauungspläne erstellen. Mit der Gründung von Bürgergenossenschaften werden wir die Wertschöpfung nicht auswärtigen Investoren überlassen, sondern im Ort halten.

 

M. Weininger: Was würdest du als Erstes anpacken, wenn du Bürgermeister wärst?

U. Proske: Amtierende Bürgermeister sagen mir immer wieder: „Pass auf, du kommst in den ersten Jahren gar nicht dazu, eigene Projekte anzupacken.“ Es gibt viele aktuelle Aufgaben, die zu Ende geführt werden müssen: Die Hallenbadsanierung, der Umbau des Waldsportparkstadions, das Hölzerbräugelände. Wir brauchen einen Standort und die Planung für ein neues Feuerwehrhaus. Das sind lauter dicke Bretter.

 

M. Weininger: Also mehr verwalten und weniger gestalten?

U. Proske: Nein, beides ist unverzichtbar. Natürlich will ich auch neue Dinge auf den Weg bringen. Dazu gehört als Erstes eine vernünftige Verkehrszählung: Wo genau kommt der Verkehr her, wo fährt er hin? Wir müssen uns die Umgebung um die Kreisklinik anschauen. Die Anwohner spüren einen unglaublichen Druck, weil hier so viele Autos parken. Wir brauchen ein Netz sicherer Radwege von allen Ortsteilen zu den Schulen, zum Marktplatz, zum Bahnhof. Wir müssen Studien in Auftrag geben und dann zügig anpacken. Wir brauchen viel mehr schattenspendendes Grün in der Stadt, um im Sommer die steigenden Temperaturen aushalten zu können. Ich will auch mehr unabhängige Orte der Begegnung für alle Generationen schaffen, drinnen wie draußen, um unser Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

 

M. Weininger: Welche Rolle würde ein Bürgermeister Uli Proske in Ebersberg spielen?

U. Proske: Als unabhängiger Bürgermeister will ich mit allen Fraktionen im Stadtrat arbeiten. Die haben ihre Arbeitskreise und können sich bei jedem Thema einbringen. Darauf müssen wir aufbauen, Ideen gemeinsam weiterentwickeln und dann das Beste auswählen. Am Ende ist es doch gleich, aus welcher Richtung die wirklich guten Vorschläge kommen.

Ich habe immer meine Meinung gesagt, auch wenn jemand gerne etwas anderes gehört hätte. Ich muss mich aber nicht um jeden Preis durchsetzen. Bessere Ideen trage ich mit. Das habe ich stets so gehandhabt, als Feuerwehrkommandant, an meinem Arbeitsplatz, in der Familie. Für die Sache ist das immer gut.

 

M. Weininger: Im SZ-Magazin gibt es die Serie „Sagen Sie jetzt nichts. Das Interview ohne Worte“. Wenn Du da mitmachen würdest, welche Pose würdest Du bei der Frage einnehmen: „Was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern im Bürgermeisterwahlkampf?“

U. Proske: (kurze Denkpause …) Ich würde die Ärmel aufkrempeln, nach dem Motto: „Nur her mit den Problemen!“.

Ich fühle mich jetzt im richtigen Alter für diese Kandidatur. Heute sehe und entscheide ich manches anders als früher, durch meine Erfahrungen, meine Ehe, meine drei großen Kinder. Das ist ganz klar und gut so.